Auracast ist eine Bluetooth-Audioübertragungstechnologie, die in künftige Weiterentwicklungen der SIA-Norm 500 zur akustischen Barrierefreiheit integriert werden könnte. Offener und vielseitiger als herkömmliche Systeme, ermöglicht sie die direkte Übertragung von hochwertigem Klang an kompatible Hörgeräte oder Kopfhörer. Unsere Stiftung hat sich dieser Innovation bereits 2025 durch die Anschaffung von Geräten angenommen und einen ersten Nutzungstest im Rahmen ihres Jahreskongresses durchgeführt.
Jahrzehntelang war die induktive Höranlage die wichtigste Lösung zur Audioübertragung an öffentlichen Orten für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Auch wenn dieses System enorme Dienste geleistet hat, haben seine Installations- und Wartungskosten seine Verbreitung mitunter gebremst. Nun entwickelt sich mit Auracast ein neuer Ansatz – eine Bluetooth-Audioübertragungstechnologie, die neue Perspektiven für die Barrierefreiheit eröffnet, sowohl für Menschen mit Hörbeeinträchtigung als auch für die breite Öffentlichkeit.
Das Prinzip ist zugleich einfach und zukunftsweisend: Ein Sender strahlt einen Bluetooth-Audiostream aus, den jeder kompatible Empfänger sofort und ohne komplizierte Kopplung empfangen kann. So kann eine unbegrenzte Anzahl von Personen einen klaren und direkten Ton auf ihrem eigenen Gerät empfangen, sei es ein Hörgerät oder ein handelsüblicher Kopfhörer.
Eine Technologie für alle
Hier liegt die Stärke von Auracast. Im Gegensatz zu Systemen, die nur für Trägerinnen und Träger spezifischer Hörgeräte reserviert sind, funktioniert diese Technologie auch mit handelsüblichen Kopfhörern und Headsets. Diese Offenheit verändert die Ausgangslage für Betreiber von Museen, Bahnhöfen, Konferenzsälen und anderen öffentlichen Orten: Sich für Auracast zu entscheiden bedeutet, sowohl Menschen mit Hörbeeinträchtigung als auch die breite Öffentlichkeit zu bedienen – sei es für besseres Hören oder für den Zugang zu Diensten wie Audioguides oder Simultanübersetzung. Die Investition wird so vielseitig nutzbar.
Zudem bietet Auracast Menschen mit leichter Hörbeeinträchtigung, die noch keine Hörgeräte tragen, eine erste stigmafreie Stufe zur Barrierefreiheit.
An vorderster Front beim Testen und Testenlassen
Unsere Stiftung hat 2025 Auracast-Sende- und Empfangsgeräte angeschafft. Das Ziel ist zweifach: die Robustheit dieser Technologie zu testen und Menschen mit Hörbeeinträchtigung eine erste Erfahrung zu ermöglichen, damit sie sich ihre eigene Meinung bilden können.
Unser Vorgehen steht auch im Zusammenhang mit einem sich wandelnden gesetzlichen Rahmen, der Revision der SIA-Norm 500 «Hindernisfreie Bauten». Vieles deutet darauf hin, dass Auracast in naher Zukunft zu einer zulässigen, wenn nicht gar empfohlenen Lösung wird, um die Barrierefreiheitsanforderungen in öffentlich zugänglichen Bauten zu erfüllen, während der aktuelle Text hauptsächlich auf induktive Höranlagen verweist. Indem wir dieser Entwicklung vorgreifen, möchten wir Menschen mit Hörbeeinträchtigung dabei helfen, sich mit den digitalen Audioübertragungssystemen vertraut zu machen, die ihnen in naher Zukunft nützlich sein werden.
Erfahrungsbericht: unser Jahreskongress als Testfeld
Bei unserem letzten Jahreskongress boten wir drei Teilnehmerinnen mit Hörbeeinträchtigung die Möglichkeit, die Auracast-Geräte unter realen Bedingungen zu testen. Ziel war es, die Einfachheit der Verbindung, die Klangqualität und den Nutzungskomfort zu bewerten.
Das Urteil zur Bedienung ist ermutigend. Während Sandra, die jüngste der drei, sich sofort allein verbinden konnte, benötigten Marlène und Michèle eine kurze Begleitung. Alle sind sich jedoch einig, dass ein paar Erklärungen genügten, um anfängliche Zweifel zu überwinden.
Die Rückmeldungen von Marlène und Sandra zur Klangqualität sind begeistert. Sie bewerteten den Klang als «ausgezeichnet» und die Lautstärke als «perfekt angepasst», was es ermöglichte, die Beiträge «viel besser» zu verstehen, ohne Aussetzer oder Unterbrechungen. Michelle hingegen fand die Qualität «mittelmäßig» und die Lautstärkeeinstellung verbesserungswürdig. Die für die Begleitung dieses Tests verantwortliche Hörgeräteakustikerin präzisiert, dass diese Unterschiede nicht auf die Auracast-Technologie an sich zurückzuführen sind, sondern durch die Natur eines punktuellen Tests erklärt werden: Die Feineinstellungen und die Begleitung der Anpassung konnten nicht mit derselben Präzision durchgeführt werden wie bei einer klassischen individuellen Versorgung.
Trotz dieser Punkte, die Aufmerksamkeit erfordern, bleibt der allgemeine Eindruck positiv. Marlène empfiehlt Auracast «absolut» und freut sich «darauf, Auracast an jedem Ort mit Höranlagen aktivieren zu können». Michelle schätzte trotz einer gewissen Enttäuschung das Vorgehen: «Ich ermutige euch, es noch einmal zu versuchen», schloss sie. Eine Einladung, der wir ohne zu zögern nachkommen werden.
Die Rückmeldungen aus diesem Test bestätigen jedenfalls das Potenzial von Auracast und zeugen von der Offenheit von Menschen mit Hörbeeinträchtigung, neue Lösungen zu erkunden.
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Foto: Beim Kongress testeten Teilnehmende auch Kopfhörer mit integrierter Auracast-Technologie, die sowohl von Menschen mit als auch ohne Hörbeeinträchtigung genutzt werden können. © Sebastien Monachon


